Montag, 20. Juni 2016

{Rezension} Der Herr der Unterstadt - Daniel Polansky

Der Herr der Unterstadt

The Straight Razor Cure / übersetzt von Michael Koseler

Band 1 der Low Town - Reihe
Dark-Fantasy / Noir-Crime
432 Seiten

Verlag: PIPER
Taschenbuch € 9,99
ebook € 4,99

Erscheinungsdatum: Januar 2013

Das Cover war so wunderschön, dass ich das Buch einfach kaufen musste. Ich hatte keine Erwartungen, doch wurde sofort in die schmutzigen Gossen Rigus' gezogen, in die Kneipe 'Zum torkelnden Grafen' geschleppt und dort vom Hocker gehauen... von einem Mann, den sie alle nur 'Patron' nennen.




Der Klappentext

 

Die Unterstadt ist ein finsterer Ort: In ihren dreckigen Gassen wandeln die gerissensten Geschöpfe der Nacht, während hinter vernagelten Fenstern Geschäfte um Leben und Tod gemacht werden. Der Mord gehört zur Unterstadt wie das Blut zur Klinge und das Kopfgeld zum Opfer. Doch plötzlich ändert ein Tod alles: Als die zerfledderte Leiche eines unschuldigen Mädchens gefunden wird, beschließt ein einzelner Mann, das Schicksal des Kindes zu sühnen. Und er ahnt nicht, welch entsetzliche Bestie die Unterstadt in ihrer Hand hat...
 

Worum geht es also? 

 

Der Patron, Simeon Dubois, war einst Ermittler beim Geheimdienst, gehörte zu den Guten und zu den Besten. Jetzt ist er ein abhängiger Drogendealer, an dem das Leben seine Spuren hinterlassen hat und der mit seinem ehemaligen Kriegskameraden Adolphus eine Kneipe besitzt - den Torkelnden Grafen. Als er in den Gossen der Unterstadt über die Leiche des kleinen Mädchens stolpert, das kurz zuvor verschwand, nehmen die Dinge ihren Lauf, denn für den Patron steht fest, dass er den Mörder finden will...


Meine Meinung

 

Der Schreibstil und die Story haben mir ausgesprochen gut gefallen. Die flapsige Gossensprache, sowie die wohlklingenden Bezeichnungen für Ermittler und diverse Drogen, passten super zum Ich-Erzähler und dem Setting eines düsteren, dreckigen Ghettos, in dem allerhand Verbrecher ihr Unwesen treiben und jeder ums tägliche Überleben kämpft, während die Adligen weit abseits in ihren schönen Häusern hocken und dem Gestank der Unterstadt den Rücken kehren.

Der Patron ist ein Antiheld, für den ich allerdings sehr schnell Sympathie hegte. Er ist ein Großmaul und selten um einen blöden Spruch verlegen, auch wenn seine große Klappe ihn oftmals in Schwierigkeiten bringt. Ich mochte seinen trockenen Humor - denn ja, ich habe eine Schwäche für Zyniker. Vor allem, wenn zwischendurch immer wieder durchscheint, dass sich dahinter noch etwas ganz anderes verbirgt. Besonders das Verhältnis zu seinem Laufburschen Zeisig und seinem ehemaligen Partner beim Geheimdienst zeigte, dass auch ein Simeon Dubois nicht so hart ist, wie er tut.

Die Fantasy-Elemente (die teilweise etwas Kindliches und teilweise etwas Horrorhaftes an sich hatten) hielten sich in Grenzen und waren ganz natürlich zu lesen und nachzuvollziehen. Man kann sich also an den Roman wagen, auch wenn man kein großer Fan von Fantasy ist, aber gerne mal einen Noir-Krimi lesen möchte.

Manche Charaktere blieben etwas blass oder klischeehaft, was aber durchaus seinen eigenen Charme versprühte. Besonders Zeisig mochte ich sehr gerne und das Zusammenspiel mit dem Patron fand ich einfach nur herzerwärmend. Man erfährt einiges über Simeon Dubois' Vergangenheit, wobei etliches nur angedeutet wird, um in einem späteren Band aufgelöst zu werden. Das schürt das Interesse am Protagonisten und macht neugierig auf mehr.

Der Krimi hält die Spannung größtenteils aufrecht, wenn auch meiner Meinung nach in der zweiten Hälfte oder dem letzten Drittel ein paar kleinere Durchhänger waren, wo etwas zu detailreich erzählt wurde. Das ist aber reine Ansichtssache und ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch, also vermute ich, dass einem anderen Leser so etwas gar nicht aufgefallen wäre.


Besonderheiten, die eine Erwähnung wert sind

 

Besonders schön fand ich die Kapitelgestaltung, bei der man wirklich das Gefühl hat, der Verlag hat sich Gedanken zum Roman gemacht.





Was es sonst noch zu sagen gibt

 

Die Story (zumindest die Krimihandlung) an sich ist abgeschlossen, aber es gibt Folgebände. Diese erschienen bis jetzt leider nicht auf Deutsch, so werde ich sie mir auf Englisch zulegen, denn die Reihe möchte ich auf jeden Fall fertiglesen. Vor allem, da in diesem Band Geschehnisse aus des Patrons Vergangenheit angeschnitten werden, deren Auflösung man nicht verpassen möchte.



Ein paar Worte zum Autor

 
Daniel Polansky wurde in Baltimore geboren und hat Philosophie am Dickinson College studiert. "Der Herr der Unterstadt" ist sein Debütroman. Hier geht es zu seiner Homepage!


 

Die gesamte Reihe im Original (weil die Covers eine Augenweide sind)

 



Bewertung und mein Fazit zu 'Der Herr der Unterstadt'

 

Wer diese Rezension aufmerksam gelesen hat, wird meine Bewertung gewiss voraussehen :) Ich mochte die Charaktere und die Story. Der Krimi war spannend und der Roman hat mich insgesamt sehr sehr gut unterhalten. Der Herr der Unterstadt darf sich also über volle 5 Sterne freuen!

 

  

Ein Wahnsinns-Buch, das mich wirklich sehr begeistern konnte.



Kommentare:

  1. Hey!

    Eine tolle Rezi, die mich auf jeden Fall sofort neugierig gemacht hat! Leider reicht mein englisch für die Folgebände nicht aus :/ Ich find das echt schade, denn dann werde ich auch den ersten nicht lesen. Wie du schon sagst, wird da später sicher noch einiges über den Hauptcharakter ans Licht kommen.

    Dann kann ich dir nur viel Spaß bei den weiteren Bänden wünschen :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Guten Morgen! Ich hab dich mal auf FB verlinkt, ich hoffe, das ist in Ordnung :)

      Liebste Grüße und einen schönen Tag!

      Löschen
    2. Ja, das mit der Übersetzung ist wirklich etwas doof. Besonders bei Reihen ist das dann echt schade. Ich lese auch lieber auf Deutsch, einfach weil ich mich da weniger konzentrieren muss, aber für den Patron muss ich mal wieder eine Ausnahme machen *gg*

      Und ob das in Ordnung ist *freu* DANKESCHÖN!

      Löschen
  2. Das ist eine sehr ansprechende Rezi. Ich werde das Buch mit Sicherheit lesen. Ohne deine Vorstellung bei Aleshanee, hätte ich dem Buch keine Beachtung geschenkt, da mich das Cover nicht anspricht. Ich gehe davon aus, wenn man die Geschichte kennt, gefällt einem auch das Cover. Düsternis vermittelt es ja.

    Liebe Grüße,
    Gisela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Gisela!

      Ja, so ist das oft mit den verschiedenen Geschmäckern bei den Covers - mal entgeht einem etwas wirklich Tolles, mal hat man etwas in den Händen, das so gar nicht dem Lesegeschmack entspricht *gg*

      Ich freue mich, dass ich dich auf Polansky aufmerksam machen konnte!

      Ganz liebe Grüße!

      Löschen