Montag, 27. Juni 2016

{Rezension} Das Teufelsloch - Antonia Hodgson

Das Teufelsloch von Antonia Hodgson

The Devil in the Marshalsea / übersetzt von Katharina Volk

Band 1 der Reihe um Thomas Hawkins (jeder Teil ist in sich abgeschlossen)
Historischer Thriller/Krimi
474 Seiten

Verlag: Knaur TB
Taschenbuch € 9,99
ebook € 9,99

Erscheinungsdatum: Oktober 2015

  
"Wird es mit der Zeit leichter?"
"Das liegt ganz bei Ihnen, Mr Hawkins. Hier drin wird Ihr Herz entweder brechen, oder es wird zu Stein. Das ist Ihre Entscheidung."



Der Klappentext

 

England 1727. Tom Hawkins will lieber verdammt sein, als Landpfarrer zu werden wie sein Vater. Er liebt die Frauen, das Bier und das Glücksspiel – und landet eines Nachts im berüchtigten Londoner Schuldgefängnis »The Marshalsea«. Schnell erkennt Tom, dass in diesem »Teufelsloch« nur überlebt, wer sich nützlich machen kann: Er verdingt sich als Ermittler in einem hinterlistigen Gefängnismord – eine Idee, an der sein düsterer Zellengenosse Fleet sogleich Gefallen findet. Doch Tom ist auf der Hut, gilt Fleet doch selbst bei den abgebrühtesten Bütteln des Marshalsea als Ausgeburt der Hölle…


Worum geht es also? 

 

Tom Hawkins steht mit einem Bein im Schuldgefängnis. Das andere hat er noch unter dem Spieltisch platziert, um mit seinen letzten Ersparnissen und von seinem besten Freund geliehenem Geld das Blatt noch einmal zu wenden. Dass dies nicht so ganz gelingt, ist ja bereits im Klappentext ersichtlich. So landet unser junger Ich-Erzähler nach einer harten Nacht im Marshalsea und wird dort gleich mit den düstersten Gestalten konfrontiert, von denen man so ziemlich jeder einen Mord zutraut. Und partout ist soeben einer geschehen...

Will Tom nicht auf der Common Side des Gefängnisses landen, die ihn innerhalb einer Nacht umbringen würde, sondern auf der Master's Side bleiben, so muss er sich daran machen, eben diesen Mord aufzuklären. Zur Seite steht ihm sein neuer Zimmergenosse Samuel Fleet, der Teufel höchstpersönlich!


Meine Meinung

 

Der Roman zieht einen schon ab den ersten paar Seiten in die düsteren Gassen Londons im Jahre 1727 und stellt uns Tom Hawkins als typischen Draufgänger vor. Im Laufe des Buches bemerkt man jedoch, dass hinter seiner Fassade ein junger, unbedarfter Mann steckt, der in seinem Leben schon viele Enttäuschungen hat einstecken müssen. Besonders das Verhältnis zu seinem Vater macht ihm schwer zu schaffen, auch wenn er das verdrängen möchte. Dieses Wissen macht es einem fast unmöglich, ihm sein oft schludriges Benehmen übel zu nehmen.

Die Autorin hat sehr gut recherchiert und schafft es, einem die historischen Hintergründe näher zu bringen, ohne dass es in irgendeiner Form langweilig rüberkommt. Der Schreibstil ist flüssig und authentisch. Es gab so viele wundervolle Zitate, dass ich mich kaum entscheiden konnte, welche ich euch schon mal als Vorgeschmack zeigen möchte.


"Geld. Man hätte glauben können, dass es kein anderes Thema auf der ganzen Welt gab, keinen anderen Gedanken in den Köpfen der Menschen. Und so war es auch - zumindest hier."


Tom und die anderen illustren Charaktere, die sehr gut gelungen sind, schaffen es alle paar Zeilen, mich zum Lachen zu bringen, auch wenn der Roman vor dieser Kulisse natürlich mitunter sehr ernste Dinge behandelt und zum Nachdenken anregt. Vor allem die grauenvollen Zustände im Marshalsea, besonders auf der Common Side, sind recht bildhaft geschildert.


"Dieser Ort verändert die Menschen. Vielleicht entblößt er sie auch nur als die, die sie wirklich sind."


Der Krimi hält zahlreiche unerwartete Wendungen bereit und hat es geschafft, mich mit der letztendlichen Auflösung zu überraschen (kein leichtes Unterfangen, würde ich sagen *gg*). Umso mehr habe ich mich natürlich darüber gefreut, dass ich mit dem ein oder anderen Verdacht richtig lag.

Jedes noch so kleine Detail ist stimmig - und jede scheinbare Unstimmigkeit wird auf die ein oder andere Weise aufgelöst, was mir sehr zugesagt hat. Die Handlung ist gut durchdacht, dicht erzählt und spannend. Gewürzt wird das alles durch die Erzählweise - die kleinen Einwürfe Toms, der dem Leser die Geschichte im Nachhinein erzählt und somit natürlich klüger ist, als der Tom, über den er spricht und den wir während seiner Ermittlungen begleiten :)

Man rätselt mit, glaubt sich der Lösung nah und wird dann wieder überrascht, nur um zu erkennen, dass nicht immer alles ist, wie es scheint - und man niemandem trauen kann.


"Ein angenehmes Temperament verwechselt man leicht mit einem guten Charakter."


Das Handwerk stimmt, die Story stimmt. Doch was mich wirklich richtig mitreißen konnte, waren die Dialoge zwischen Fleet und Tom. Überhaupt der ganze Charakter des Samuel Fleet. Er ist es, der das Buch für mich zu etwas Besonderem gemacht hat. Ich habe mich schlichtweg in den Mann verliebt - eine Liebe, die aufgrund gewisser, zart angedeuteter Umstände natürlich rein platonisch geblieben wäre :D


"Das Leben war mit ihm ganz einfach aufregender. Zweifellos um einiges kürzer - aber aufregend."
Tom Hawkins über Samuel Fleet


Ich sprach ja schon von den unerwarteten Wendungen, und eine davon kurz vor Ende des Buches hat mich leider dazu bewogen, einen kleinen Sterneabzug vorzunehmen. Natürlich stand ein Großteil der Auflösung des Krimis noch bevor, aber für mich war nach diesem Ereignis die ursprüngliche Begeisterung abgeflaut und Tom traf ein paar Entscheidungen, die nicht nachzuvollziehen waren. Nur ein wundervoller Brief auf den letzten paar Seiten konnte mir dann noch einmal etwas Herzklopfen verschaffen und ich war zu Tränen gerührt.

Nach dieser Enttäuschung auf meiner verhassten Seite 353 war ich mir erst nicht sicher, ob ich die folgenden Teile lesen möchte, aber ich bin doch sehr sehr neugierig auf die weiteren Abenteuer von Tom Hawkins.



Thomas Hawkins' Liebeserklärung an London


Wie hatte ich auch nur einen Moment daran denken können, diese Stadt zu verlassen? Wer störte sich schon an Diebesbanden in dunklen Gassen, Prügeleien, die sich aus den Schenken auf die Straßen ausbreiteten, an Läusen, Ratten, Pocken, verpesteter Luft und vergiftetem Wasser? London ließ mein Herz schneller schlagen und das Blut lebendig in meinen Adern singen, und dafür würde ich dieser Stadt alles nachsehen.



https://www.amazon.de/Galgenvogel-Historischer-Thriller-Antonia-Hodgson/dp/342665346X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1466941928&sr=8-1&keywords=der+galgenvogel Was es sonst noch zu sagen gibt

 

'Das Teufelsloch' ist der erste Roman um den Protagonisten Tom Hawkins, kann aber für sich allein gelesen werden, wie - meines Wissens nach - auch die beiden Folgebände. Der zweite Teil erscheint im November 2016 in der deutschen Übersetzung unter dem Titel 'Der Galgenvogel'.




Ein paar Worte zur Autorin


Antonia Hodgson wurde in Derby (England) geboren und studierte Englische Literatur an der Universität von Leeds. Sie arbeitet seit über 15 Jahren in der Verlagsbranche und ist derzeit Chefredakteurin bei Little, Brown UK.

Wenn Sie nicht selber schreibt oder Game of Thrones schaut, sitzt sie in der British Library und liest Mordgeständnisse aus dem 18. Jahrhundert. Daraus folgte die Idee zu ihrem ersten Roman The Devil in the Marshalsea.

Hier geht's zur Seite des Knaur-Verlages über die Autorin!


  

Die Trilogie im Original (weil auch hier die Covers besonders schön sind)

 



Bewertung und mein Fazit zu 'Das Teufelsloch'

 

Trotz meiner persönlichen Enttäuschung über ein Ereignis gegen Ende des Romans, das nicht jedem so nahe gehen wird, kann ich euch diesen historischen Thriller/Krimi (je nach Nervenstärke :) ) nur wärmstens ans Herz legen! Ich vergebe 4,5 Sterne für ein außergewöhnlich gut durchdachtes, stimmungsvolles und spannendes Leseerlebnis mit äußerst interessanten Charakteren!




Heftet euch an Tom Hawkins' Fersen und entlarvt den Teufel im Marshalsea!

 


Kommentare:

  1. Guten Morgen :)

    Eine sehr schöne Rezension. Ich glaube da wandert direkt ein neuer Titel auf meine Wunschliste. Gerade die historische Zeit in der es spielt liegt mir sehr! Danke für die Rezi <3

    Liebe Grüße
    Ivy

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    1. Hallo!

      Oh, ich freu mich sehr über das Kompliment :)

      Ja, ich kann den Roman wie gesagt nur empfehlen! :D

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